»cycle.deals«

Deine Plattform für Gebrauchträder

Ein neues Rad für sich zu finden, ist nicht immer eine leichte Aufgabe. Insbesondere dann nicht, wenn das eigene Budget dafür eher klein und der Wunsch nach einem besonderen Rad groß ist. Für den Kauf gebrauchter Autos gibt es zahlreiche sichere Plattformen, bei Fahrrädern sieht das aktuell noch anders aus. Mit ihrem Online-Marktplatz cycle.deals möchten die Studenten Leif, Philip und Niclas diese Lücke füllen und allen den Zugang zu ihrem persönlichen Radglück erleichtern.

Darum geht es

»Finde dein Bike. Einfach. Sicher« - darum geht es dem Team hinter cycle.deals. Mit ihrem Marktplatz wollen sie Käufer*innen und Verkäufer*innen den Handel von Gebrauchträdern möglichst einfach machen. Anhand von Wohnort, Kategorie, Preis und Körpergröße erhält man schnell und einfach eine Liste an passenden Rädern. Neben der einfachen Handhabung und Nutzerfreundlichkeit wird auch das Thema Sicherheit groß geschrieben: Mit Hilfe eines Marktpreisrechners und frei zugänglicher Fahrrad-Kataloge können Nutzer*innen zum Beispiel kostenfrei feststellen, welcher Preis für das jeweilige Modell angemessen ist. Auch werden Verkäufer*innen vorab überprüft, in der Hoffnung den Handel mit Hehlerware entgegenzuwirken. Probiere es einfach mal aus und finde deinen neuen Begleiter!

Interview

 

1. Wie genau sieht euer Projekt aus? Beschreibt es mit drei Worten.

Fahrradhandel. Einfach. Sicher.

2. Wie seid ihr auf die Idee zu eurem Projekt gekommen? Warum braucht es euer Projekt?

Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor in Deutschland, der seine CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 nicht reduziert hat.

Ich fahre jeden Tag Fahrrad. Ich arbeite als Fahrrad-Stadtführer und engagiere mich seit knapp zwei Jahren in der Leitung der gemeinnützigen Uni-Fahrradwerkstatt am Campus Westend der Goethe-Uni, an der ich im 7. Semester Jura studiere. An der Uni-Werkstatt engagiere ich mich unter anderem, weil ich mit dem Werkstattschlüssel stets an meinen inzwischen zehn Rädern schrauben kann.

Persönlich bin ich ein Fan von Effektivität. Das Fahrrad ist für mich das Verkehrsmittel der Wahl: Spaßmaschine (Füße auf den Lenker, im Stehen freihändig fahren, einfach Zick Zack fahren, Abfahrten), unglaublich schnell im kompakten Frankfurt, überall anschließbar oder sogar tragbar (eher nur Carbon-Räder), nachhaltig (ich atme quasi die Abgase der Autos ein und filtere sie mit meiner Lunge) und preiswert. Ein Fahrrad kann enorm variabel genutzt werden und trotzdem so gut wie keine Kosten produzieren.

Auch deshalb fragen mich Freunde und Bekannte, ob ich sie beim Kauf eines für sie passenden Fahrrads beraten könne. Klar kann ich das: Zwei habe ich meinen Großeltern abgequatscht, weitere zwei von einem Passanten beim Bäcker meiner Wahl, zwei dem Vermieter guter Freunde von mir, eins meinem Papa, zwei auf eBay Kleinanzeigen und eins habe ich beim Ausmisten des Kellers entdeckt. Geklaut wurde mir noch keins.

Es ist nur gar nicht so einfach, ein passendes preiswertes Fahrrad zu finden.  Ein Fahrrad muss sich stark an den körperlichen Gegebenheiten seiner FahrerInnen orientieren. Die Rahmengröße ist also entscheidend. Allerdings kennen nur sehr wenige Menschen ihre Schrittlänge und die dazu passende Rahmengröße oder wissen, wie sie das am Fahrrad ausmessen.

Es gibt des Weiteren kaum valide Nachweise über Eigentumsverhältnisse an einem Fahrrad, zumindest sofern man kein neues (teures) Fahrrad erwirbt. Hehler haben dementsprechend ein leichtes Spiel.

Einen organisierten und strukturierten Unternehmer-Gebrauchthandel mit Fahrrädern gibt es nicht. Die Suchbegriffe und Filter bei eBay Kleinanzeigen sind eine große Lotterie, die (zu) stark vom Know-How der verkaufenden Parteien abhängen. Fahrrad-Händler stellen nur knapp 10% der online einsehbaren Fahrrad-Inserate und sind ansonsten nur spärlich online vertreten. Knackpunkte: Widerrufsrechte und Verbrauchsgüterhaftung, auch für gebrauchte Güter.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich konnte meinen Freunden und Bekannten nur unter enormen Zeitaufwand abhelfen. Das muss doch einfacher gehen…

3. Was wollt ihr verbessern/ändern?

Verrufener Gebrauchthandel durch Hehlerware und zu geringe Kapazitäten zum Aufbau einer eigenen Online-Präsenz waren die häufigsten Antworten, die wir von Werkstätten und Händlern erhalten haben. Mit unserer Plattform wollen wir die Infrastruktur für Fahrräder verbessern. Für Verbraucher und Unternehmer, zunächst in der EU. Hier gelten einheitliche Währungen und rechtliche Rahmenbedingungen.

Wir stellen das größte Archiv an Fahrrad-Katalogen bereit, auch und insbesondere alte Kataloge, die bis ins Jahr 1896 zurückgehen. Diese Kataloge sind für alle zum Stöbern frei zugänglich.

Wir geben Unternehmern automatisch generierte Kaufvertrags-Vorlagen, Widerrufsbelehrungen und Differenzsteuerberechnungen sowie eine sichere Bezahl-Schnittstelle, eine hohe Reichweite und eine Übernahme der Verbrauchsgüterhaftung mit an die Hand.

Mit den von uns bereits zusammengetragenen Katalogen und Datensätzen bereiten wir die größte Fahrrad-Modelle-Datenbank auf. Anhand dieser Datenbank können wir, absolut kostenfrei und neutral für alle (auch ohne Anmeldung), einen fairen Marktwert für das entsprechende Fahrrad-Modell angeben.

Einen konkreten und korrekten Marktwert sehen wir als elementaren Baustein, um dem Fahrrad vom Drahtesel hin zum beachteten Wertgegenstand zu verhelfen. Die Preis-Bewertung beruht auf 13 Faktoren, wie inflationsbereinigte UVPs, Zustand, Lage des Verkaufs, Art des Verkäufers, Modelljahr, Markenrenomee, E-Bike-Funktionalitäten, Ausstattung der Komponenten, Alter der Elektronik, Akkuleistung, makroökonomische Entwicklungen, etc.

Alle Verkäufer müssen, sofern Sie keine Bar-Bezahlung annehmen, als Voraussetzung ihrer Auszahlung, eine kostenlose und datensichere Überprüfung ihrer Personalausweise durchführen. Gebrauchte Fahrräder sollten keine Hehlerware sein. Vielleicht gehen so auch Fahrrad-Diebstähle etwas zurück. Erworbene Fahrräder werden im Übrigen (digital) in die Sammlung des Erwerbers transferiert. Egal ob Freunde, Großeltern oder Polizei: So lässt sich das Eigentum am Radl stets nachweisen.

Käufer sollen so einfach und sicher in ihrer Umgebung ein gutes zu ihnen passendes Fahrrad finden können.

4. Was war das Erste, was du gemacht hast?

Eine Marktanalyse. Gibt es sowas wirklich noch nicht? Nein. Okay, let's go. Niederschrift und Zusammenfassung aller Gedanken, Aspekte und Ideen zu diesem Thema,  Austausch und Fragerunden mit Freunden und Familien, Befragung von Fahrrad-Werkstätten und Fahrrad-Händlern.

5. Welche Schritte folgten? Gab es einen Plan?

Keinen Masterplan. Die IT-Kenntnisse sind, vom Jura-Studium aus, sehr gering. Hier habe ich viel Zeit investiert, um zwei super starke Informatik-Studis zu finden, mit denen ich gut und produktiv zusammenarbeiten kann. Meine Suche nach Mitstreitern führte mich über deutsche Top-Informatikhäuser, Kollegen-Kontakte nach Bangkok, über intensiven Austausch mit Experten im Kosovo und Albanien und alte Schulkontakte.

Jetzt sind wir ein starkes Team aus Philip von der TU Darmstadt, Niclas vom KIT in Karlsruhe und mir von der Goethe-Universität Frankfurt.

6. Hattest du Startkapital? Wenn ja, wie habt ihr es akquiriert? Gab es Förderer neben der Starthilfe von »DIY: Verkehrswende selber machen«?

Unser wertvollstes Startkapital ist unsere Erfahrung und Risikobereitschaft. Finanziell stelle ich 25.000,00 EUR bereit, die zeitnah in die cycle.deals GmbH überführen werde. Die Beurkundung ist Ende 2021 geplant, die Eintragung im Handelsregister Anfang des Jahres 2022. Diese Summe setzt sich aus drei maßgeblichen Faktoren zusammen:

Ich arbeite seitdem ich 15 Jahre alt bin. Meine Jobs waren Zeitungs-Austräger, Currywurst-Verkäufer, Surflehrer-Assistent, Englischlehrer, Umzugshilfe, Schwimmlehrer, Bücher-Kurier, Koffer-Kurier und Fahrrad-Stadtführer. Jetzt arbeite ich seit 14 Monaten in einer internationalen Wirtschaftskanzlei als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Ich lebe sparsam. Ich wohne zuhause, gebe kein Geld für Urlaube aus, rauche und trinke äußerst zurückhaltend, wohne noch zuhause und lege mein Geld an, seitdem ich 19 Jahre alt bin. Mein Großvater hat mir eine ungebundene Finanzspritze zur Verfügung gestellt, die sich zu gut 1/3 im Stammkapital der GmbH widerspiegelt.

Wir werden für jede Fahrrad-Transaktion 3% des Verkaufspreises berechnen, mindestens jedoch 0,49 EUR. Davon ausgenommen sind Verschenkungen. Diese sind immer kostenlos.

7. Gab es Kooperationspartner, mit denen ihr zusammengearbeitet habt? Wie habt ihr diese akquiriert?

Wir arbeiten unabhängig. Ohne Finanzierung oder Partner-Unternehmen. Wir möchten möglichst lang und konsequent mit einem kleinen Kern-Team von drei Leuten und ohne Fremdfinanzierung arbeiten. Wichtige mentale Stützen für uns sind unsere FreundInnen und Familien.

8. Würdest du dein Projekt noch einmal genauso starten? Was würdest du anders machen?

Ja, so und nicht anders. Das Team und die Voraussetzungen passen jetzt sehr gut, wir haben gut zueinander gefunden. Ahu!