Stummer Applaus und eine Menge Orga: Das Plenum bei FfF

29.10.2019 in Erfahrungen eines Klimaaktivisten

Hey Leute!

Heute habe ich mich dazu entschieden, euch in ein typisches Plenum mitzunehmen. Die Plena sind mit die wichtigsten Orte der alltäglichen Arbeit eines FfF-Aktivisten. Außerdem sind sie aber auch immer eine schöne Gelegenheit ins Gespräch zu kommen oder einfach mal ein bisschen 'rumzualbern.
In einem Versuch mehr Leute in die Arbeit einzubinden und unsere Aufgaben besser zu verteilen, haben wir inzwischen wöchentliche Termine eingeführt, was bisher ganz gut läuft. Wir treffen uns meistens im E-Werk - einem großen Kulturzentrum in der Innenstadt. Wöchentlich abwechselnd ist entweder "offenes" oder "geschlossenes" Plenum. Zu ersterem rufen wir auf social media auf und jede interessierte Person kann kommen. Am Anfang gibt es eine Vorstellungsrunde und wir behandeln vielleicht auch nicht die aller krassesten Interna, aber ansonsten unterscheiden sich die beiden Typen nicht großartig voneinander. Generell dürft ihr euch den Spaß nicht soo ernst vorstellen, wie das hier manchmal klingt. Es ist zwar Arbeit, aber Plenum macht meistens echt Laune.

Damit eine Demo gut läuft, müssen viele Vorbereitungen und Besprechungen durchgeführt werden © FfF

Der Ablauf

Zuerst quatschen wir immer ein bisschen. Da kann es um alles Mögliche gehen: war jemand auf ner Konferenz oder gibt es neue Entwicklungen an der Schule, der Uni, der eigenen Projekt oder muss einfach mal gelästert werden? Die erste Viertelstunde ist dafür reserviert. Weiter geht es dann mit dem eigentlichen Plenum.
Wir gehen die kleineren Termine und Terminanfragen der kommenden Wochen durch, besprechen ob jemand hingehen soll und, wenn ja, wer. Anschließend berichtet jede AG über ihre Arbeit. Regelmäßig sind die nächsten Tagesordnungspunkte die kommende Demo oder größere Veranstaltung, ein neues Positionspapier oder die Meinung der Gruppe zu einem bestimmten Thema. Das ist selbstverständlich immer eine Menge Gesprächsstoff und hier wird es auch schon mal kontrovers. 

Gut, dass wir Gesprächsregeln haben!

Es gilt: Reden darf nur, wer sich gemeldet hat und drangenommen wurde. Redeleitung macht immer jemand der Erfahreneren, weil die die meisten Namen kennen. Grundsätzlich werden immer diejenigen drangenommen, die sich als erstes gemeldet haben. Um jetzt aber einen sinnvollen Gesprächsfluss, vor allem bei Diskussionen, zu ermöglichen, gibt es zwei Arten von Meldungen. Neben der normalen - wie in der Schule - auch noch die mit beiden Händen/Armen. Das ist dann eine direkte Meldung. Sie bezieht sich auf die vergangene Aussage beziehungsweise auf denselben Teil des Themas. Sie werden bevorzugt vor normalen Meldungen wieder nach dem System first come abgearbeitet. Außerdem gibt es noch drei weitere Handzeichen für eine direktere, stumme Kommunikation. Die ersten beiden sind Zustimmung und Ablehnung.

Zustimmung ist schlicht und ergreifend Gehörlosen-Applaus. Falls ihr das noch nie gesehen habt, hier ein kurzes DIY: Hebt eure Hände vor euren Oberkörper,  spreizt eure Finger und streckt sie aus, sodass es bequem ist und schüttelt eure Hände indem ihr eure Handgelenke
dreht.

Ablehnung machen wir so ähnlich, nur dass hier die Hände Richtung Boden zeigen. Das ist immer eine nette Möglichkeit um festzustellen, ob ein Thema überhaupt kontrovers genug ist für eine ordentliche Debatte oder ob eine Ansicht dominiert.

 Das letzte Zeichen, was unsere Gesprächsführung beschleunigt ist: "Komm zum Ende". Dazu beschreibt man mit seinen Händen einfach einen Kreis von oben nach unten. Damit kann man ohne irgendwen zu unterbrechen darauf hinweisen, dass das Thema ausreichend besprochen wurde.

Nach der Tagesordnung

Wenn der anstrengende Teil vorbei ist, machen wir erstmal fünf Minuten Pause. Ich hol' mir meistens schnell etwas zu Essen, bevor die Gruppenphase anfängt.
Wer gerade akuten Arbeitsbedarf hat, sammelt ein paar Leute um sich und kümmert sich drum. Wenn vorher zum Beispiel ein Positionspapier eingebracht wurde, geht das meistens nicht ohne Änderungsanträge. Die genaue Ausformulierung würde jetzt stattfinden. Manchmal skippen wir die Gruppenphase aber auch, so wie diese Woche, weil es uns sonst einfach zu spät geworden wäre.
Deshalb feile ich jetzt dann mal weiter an unserem regionalen Positionspapier gegen den kreuzungsfreien Ausbau der BAB 73. Die Änderungsvorschläge von gestern müssen nämlich rechtzeitig für die Plena in Nürnberg und Fürth eingearbeitet werden.

Ich schreib' euch bald wieder

Macht's gut!