Wie wir in Erlangen ein studentisches Klimaschutzkonzept schrieben...

04.12.2019 in Erfahrungen eines Klimaaktivisten

Am Montag den 25.11. war es so weit! Nach gut fünf Monaten harter zusätzlicher Arbeit, vielen Mails und langen Abenden, war endlich der Tag der Übergabe gekommen. Abends um ca 19:00 Uhr überreichten wir unser studentisches Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskonzept an den Präsidenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Unser Papier ist über 20 Seiten stark und voller Forderungen, Lösungsvorschläge und Best-practice-Beispiele. In diesem Eintrag nehme ich euch mit in den Prozess von den ersten Überlegungen hin zum fertigen Ergebnis und gebe Tipps, was ihr besser machen und was ihr euch abschauen könnt.

Die Grundidee

Die Idee, "bottom-up" der eigenen Uni ein Klimaschutzkonzept zu geben, ist inzwischen ein deutschlandweites Phänomen: In Berlin und Hannover gibt es schon welche, das für Erlangen-Nürnberg ist jetzt auch fertig und über die Telegram-Gruppe "Students for Future Deutschland" weiß ich, dass auch andere Unis dran arbeiten. Ergibt ja auch Sinn: Universitäten sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie sind staatlich, in ihren Entscheidungen aber begrenzt unabhängig. Sie sind die Orte, an denen Klimaforschung stattfindet und vor allem sind sie verdammt große Institutionen. Die FAU hat über 38.000 Studierende und 14.000 Mitarbeiter*innen. Nach der Stadt Erlangen ist sie der zweite große öffentliche Akteur, der wesentlich zu einer klimaneutralen Stadt beitragen kann. Trotzdem hatte die FAU kein offizielles Klimaschutzkonzept. Auf einem Vernetzungstreffen zwischen lokalen Öko-Gruppen beschlossen ein paar Aktive, das zu ändern. Wenige Tage später war die WhatsApp-Gruppe befüllt und das erste Treffen vereinbart. 

Die Methode

Mitte Juli fand das erste Brainstorming statt. Gastgeber war die Stuve, genaugenommen ihr Referat Ökologie und Nachhaltigkeit. Wir hatten sechs übergeordnete Themen auf A1 Plakate geschrieben: Verwaltung und Unileitung, Mobilität, Infrastruktur, Bewirtschaftung, Lehre und Forschung sowie zu guter Letzt Unieigene Feste. Alle liefen im Sprat (dem Gebäude der Studierendenvertretung) durch die Gegend und schrieben ihre Ideen auf, netzwerkten oder diskutierten über den Nutzen mancher Mechanismen. 

So sahen unsere Themenplakate nach dem Brainstorming aus

Nach der kreativen Phase sammelten wir und fassten mehr und mehr Ideen zu Maßnahmen zusammen. Anschließend berieten wir über unsere Kommunikationsstrategie. Wir entscheiden uns dafür möglichst konstruktiv zu formulieren und zu werben. Jede größere Forderung sollte ein Best-practice-Beispiel haben oder mindestens einen Vorschlag zur konkreten Umsetzung. Zuletzt verteilten wir dann noch die Schreibaufgaben und gingen - nach inzwischen gut vier Stunden - fröhlich nach Hause.

Der Schreibprozess

Wir setzten ein Pad auf - ein online-Dokument, woran alle, die den Zugangslink haben, gleichzeitig und von jedem Endgerät aus arbeiten können. In solchen Pads entstehen übrigens sowohl bei FfF als auch in der Stuve viele Texte oder Protokolle, aber zurück zum Thema:

In den kommenden Wochen und Monaten formulierte und recherchierte wer Zeit hatte, an den einzelnen Themenbereichen. Ab und zu trafen sich dann mal mehr, mal weniger unserer Leute, um gemeinsam zu schreiben oder unseren Fortschritt zu dokumentieren beziehungsweise zu überwachen. Was nicht in Treffen geklärt werden konnte, lief über die WhatsApp-Gruppe.

Leider passieren aber auch Fehler, wenn viele Menschen bei unterschiedlichen Wissensständen an etwas arbeiten: Mit der Zeit spalteten sich neue Pads ab und irgendjemand hatte auch noch ein Google Dokument erstellt, sodass wir am Ende fünf völlig unterschiedliche Versionen hatten. Danke für gar nichts. Das ist übrigens der Teil, den ihr nicht nachmachen solltet. Um dieses Problem wieder einzufangen, musste eine sehr liebe und fleißige Person nämlich viele Tage und Nächte investieren. 

Als endlich wieder alles zusammengeführt war, übernahmen einige besonders Engagierte - darunter auch ich - die Aufgabe, eine sprachlich und inhaltlich einheitliche Version zu kreieren. Jede*r schrieb erstmal eine eigene und bei einem gemeinsamen Treffen bastelten wir dann die Masterversion zusammen. Nach gefühlt eintausend Korrekturlesedurchgängen war endlich alles fertig.

Ich kann euch ehrlicherweise nicht sagen, ob diese Form der Vereinheitlichung so eine empfehlenswerte Herangehensweise war. Aber es ist vorbei und mit dem Ergebnis sind wir alle ziemlich happy.

Legitimation und Übergabe

Unser Studi-Parlament und die der Fakultäten waren ebenfalls happy und gaben uns ihre Siegel. Da wir aber noch mehr Nachdruck wollten, fragten wir alle möglichen anderen Gruppen an der Uni. Bis zum Tag der Übergabe waren es schließlich 43 Hochschulgruppen, es kommen allerdings immer noch welche dazu. Wir wollten eigentlich auch noch groß Unterschriften sammeln, haben es aber einfach nicht mehr geschafft. Trotzdem kamen aus Eigeninitiative interessierter Studierender über 500 Unterschriften zu uns. 

Die viele Unterstützung ist natürlich nur dann etwas wert, wenn das Konzept nicht sang und klanglos in der Schublade verschwindet. Damit das nicht passiert, entschieden wir uns dafür, eine kleine aber feine Übergabe an die Unileitung der FAU zu organisieren. Neben dem eigentlichen Schreiben des Papiers war das wohl mein größter Beitrag zum Projekt.

Ich könnte euch jetzt also auch noch sehr lang und breit erzählen, wie man so eine Übergabe mit anschließendem Get-together ökologisch plant, aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Blogeintrag. Außerdem ist dieser hier ja schon lang genug. Deshalb verabschiede ich mich für heute.

Beim nächsten Mal schaue ich auf ein Jahr FfF zurück. Bis dahin.

Macht's gut!