Digitalisierung der Eisenbahninfrastruktur

15.06.2017 in Aktuelles

RailWatch ist ein weiteres Startup, dass beim 1st BMVI Startup Pitch im März ausgezeichnet wurde und das wir euch hier vorstellen wollen. Das Team von RailWatch hat ein digitales Monitoring-System für Güterwagen entwickelt, dass Informationen über den technischen Zustand von Güterwagen sammelt und übermittelt. Instandhaltungsmaßnahmen werden so langfristig planbar. Das sorgt eine höhere Betriebssicherheit, eine gesteigerte Kosteneffizienz und eine bessere Verfügbarkeit im Schienen-Güterverkehr.

 

 

©RailWatch

1) Wie seid Ihr auf die Idee gekommen RailWatch zu gründen? Im BMVI Heft steht, dass die beiden Gründer bereits jahrelange Erfahrung in der Bahnlogistik haben. Resultiert die Idee aus diesen Erfahrungen?

Michael Breuer, RailWatch: Mein Partner Gerald Binz und ich sind tatsächlich seit vielen Jahren im Bereich Bahnlogistik / Schienengüterverkehr unterwegs. Wir haben das Geschäft mit all seinen Facetten wirklich von der Pike auf gelernt. Über die Jahre schärft das natürlich den Blick für die kleinen und großen Probleme des Geschäfts. Und daher kommen dann auch die Ideen. Vergleichen wir einen Güterzug mal mit einem Auto. Wenn ich ins Auto einsteige und den Motor starte, hat heute selbst der günstige Kleinwagen einen Service-Monitor, der mir sagt, wann der nächste Ölwechsel ansteht, wann ich in die Inspektion muss. Ich werde sofort gewarnt, wenn der Ölstand zu niedrig ist oder der Motor ein Problem hat. Das Auto überwacht sich sozusagen selbst und gibt mir als Fahrer die Informationen weiter. Fahre ich in die Werkstatt, kann der Servicetechniker aus dem Board-Computer sogar noch mehr Informationen ziehen. All dies gab es im Eisenbahngüterverkehr bisher nicht. Und wir haben uns die Frage gestellt, wie wir vergleichbare Informationen erhalten können, ohne jeden Güterwagen mit einem Service-Modul ausstatten zu müssen. Denn das ist schlicht und ergreifend zu teuer. Also haben wir ein System entwickelt, das in der Vorbeifahrt – übrigens bei einem Tempo bis zu 120 km/h – den Zustand der einzelnen Waggons misst. Wir können damit die wichtigsten Fahrzeugkomponenten wie z. B. Räder, Bremsen und Achsen live überprüfen und online verarbeiten. Der Eigentümer kann so tagesaktuell über Internet abrufen, wie es um den Verschleiß dieser Teile steht und wann der nächste günstige Wartungstermin ansteht.

2) Ihr schreibt selbstbewusst Schienengüterverkehr 4.0. Als Bahnlogistiker seht Ihr Eurer Unternehmen sicher aus der wirtschaftlichen Sicht. Mit einer Verbesserung des Güterverkehrs würde sich aber evtl auch ein erheblicher Teil des Transports von der Straße auf die Schiene verlagern, was wesentliche ökologische Aspekte mit sich ziehen würde. Könntet Ihr Euch vorstellen RailWatch auch aus dieser Sicht zu betrachten?

Michael Breuer, RailWatch: Natürlich sehen wir in erster Linie den wirtschaftlichen Aspekt. Es wäre gelogen, eine andere Behauptung aufzustellen. Wir möchten das Transportmittel Bahn stärken, es effizienter und kostengünstiger machen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Das heißt hier auch eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene. Das RailWatch-System hat zudem weitere großartige Nebeneffekte, die klar auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlen. Da ist zum einen das Thema Lärmbelästigung. Auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält, ist der moderne Güterzug nicht zwangsläufig laut. Wird eine bestimmte akzeptable Geräuschkulisse trotzdem überschritten, hat dies in der Regel einen technischen Hintergrund. Hier kommt RailWatch ins Spiel. Durch das aktive Monitoring mit RailWatch – also die regelmäßige Überwachung bestimmter Fahrzeug-Komponenten per Sensoren – kann ein Geräusch verursachender Verschleiß, z. B. an Rädern oder Bremsen, frühzeitig entdeckt und entsprechend behoben werden. Das ist nicht nur wirtschaftlich von Vorteil, auch die Anwohner können sich freuen. Und auch der Sicherheitsaspekt ist nicht zu unterschätzen. Denn auch wenn die Halter der Güterwagen das Thema Wartung sehr genau nehmen, kann es in der termingebundenen Wartung in einzelnen Fällen doch zu unvorhersehbaren Schadensereignissen kommen. Auch hier greift RailWatch ein und kann rechtzeitig vor möglichen unfallverursachenden Ausfällen warnen.

3) Auf Eurer Website ist das Modell wie die Anlage aussehen wird sehr anschaulich zu sehen. Stehen diese Stationen nur im Lagerbereich, wenn die Wagons beladen werden oder sollen diese Stationen irgendwann über dem gesamten Streckennetzt verteilt werden, damit man von überall auf die Daten zugreifen kann?

Michael Breuer, RailWatch: Wir wollen unsere Messstationen vor allem in den Einfahrten großer Güterverkehrsknotenpunkte – also dort, wo die Züge beladen, entladen und gewartet werden – aufbauen. So haben wir die Möglichkeit, die Züge bei der Einfahrt vor der Wiederbeladung zu scannen. Wird bei diesem Scan ein Problem ermittelt, kann dieses direkt vor Ort behoben werden. Denn nichts ist für die Transport-Unternehmen schlimmer, als ein voll beladener Zug, der wegen eines Schadens an einem Waggon nicht abfahren kann. Aber wir können unsere Stationen auch auf „offener Strecke“ errichten. Bis zu einer Zuggeschwindigkeit von 120 km/h sind wir in der Lage, alle erforderlichen Daten zu sammeln und zu verarbeiten.

4) Gibt es schon einen Prototypen, der gerade eingesetzt wird oder ein Unternehmen mit dem Ihr demnächst zusammen arbeiten werdet?

Michael Breuer, RailWatch: Wir beabsichtigen im 2 Quartal 2017 mit den ersten beiden Stationen in einem Norddeutschen Seehafen in Betrieb zu gehen. Innerhalb der nächsten acht Jahre werden dann europaweit 40 Stationen folgen.

5) Und am Ende etwas Persönliches: Was ist Euer liebstes Fortbewegungsmittel und warum?

Michael Breuer, RailWatch: Eine einstimmige Entscheidung konnten wir im Team nicht fällen. Der Trend geht aber definitiv zum Fahrrad. Von wegen frischer Luft und Bewegung gegen die Schreibtischfigur. Aber wir sind ehrlich – dicht gefolgt von Bahn und Auto. Da reichen die Argumente von „ist für’s Fahrrad zu weit“ bis „da kann ich schon mal arbeiten“.

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