Mobilitätskongress war digital

8 Stunden Programm, 18 Referent*innen und 161 Teilnehmende – der dritte Mobilitätskongress am 29. Oktober war ein großartiger Erfolg! Es wurde erneut ein Raum geschaffen, in dem die Teilnehmenden Inspirationen sammeln, eigene Themen anbringen sowie in den Austausch mit anderen Interessierten treten konnten – alles zum Themenfeld der nachhaltigen Mobilität. Durch den virtuellen Kongress führte Björn Adam.

Begrüßungsrede der Bundesministerin (Mit einem Klick zum Video)

Los ging es mit einer Videobotschaft der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Svenja Schulze. Sie lobte insbesondere den wichtigen Einsatz der jungen Menschen für den Klimaschutz, der auch zu den aktuellen Entwicklungen in der deutschen Klimapolitik beigetragen hat. Dennoch bleibt viel zu tun, besonders im Mobilitätssektor. Dies untermauerte Katja Diehl aus dem VCD Vorstand in ihrer anschließenden Begrüßungsrede. Weiterhin betonte sie, dass es nicht genügt auf die Politik zu warten und die Notwendigkeit, weiterhin größtmöglichen Druck auszuüben. Ein weiterer Appell an die Teilnehmenden selbst aktiv zu werden und nicht die Motivation zu verlieren.

 

Nach diesen aktivierenden Willkommensworten folgten entsprechende Impulsvorträge zu aktuellen Projekten und wissenschaftlichen Perspektiven. Mit dabei war Julia Jarass vom DLR zum Konzept der Superblocks (Präsentation / Video). Dieses wird aktuell im Berliner Bergmannkiez umgesetzt, woran Frau Jarass beteiligt ist. Aus erster Hand berichtete sie, wie das Konzept aus Barcelona funktioniert und wie dies in Berlin umgesetzt werden soll. Dass die Straßen nicht nur für Autos sind, sondern auch als zweites Wohnzimmer fungieren können, weiß Kyra Hertel vom VCD. In dem Projekt „Straße für Menschen“ ist diese Zurückeroberung der thematische Schwerpunkt, wofür z.B. verschiedene Aktionen entwickelt wurden (Präsentation / Video). Abschließend erklärte der Philosoph Christian Uhle wodurch der wirklichen Wandel im Verkehrssektor blockiert wird. Hauptgrund sind alte Denkweisen und Emotionalität gegenüber dem Auto. Dadurch werden Veränderungen erschwert, auch wenn die Emotionalität von der Industrie bspw. durch Werbung künstlich erzeugt wird. Eine Emotionalisierung nachhaltiger Mobilität und Verbildlichung der Alternativen kann daher beim Wandel unterstützten (Video).

Auf Theorie folgte Praxis…

Zunächst anhand passender Beispiele. Vier Verkehrswende-Initiativen nutzten die Gelegenheit, um in fünf Minuten ihr Schwerpunkthema und Vorgehen zu präsentieren. Zum einen die Initiative „Volksentscheid Berlin autofrei“, die sich für ein autofreies Zentrum der Stadt einsetzt (Präsentation).
Außerdem das Projekt „Zebrastreichen“, welches die Förderung des Fußverkehrs fokussiert, indem für mehr Zebrastreifen demonstriert wird (Präsentation).
Als drittes Beispiel berichtete Simon Mader (Präsentation) aus seinen Erfahrungen im Radentscheid Tübingen und zu guter Letzt, das Projekt „Raumcast“, ein Podcast zum öffentlichen Raum (Präsentation) mit Themen zu Verkehrswende, aber auch Obdachlosigkeit, Smart City oder Insektenfreundlichkeit.

Neue Ideen ins Spiel bringen…

Im Workshop erstellte Collage

Unter diesem Motto standen die vier anschließenden Workshops, welche in einzelnen Gruppen durchgeführt wurden.  Verbindend war die Nutzung von kreativen und spielerischen Methoden, um tiefer in das Themenfeld einzusteigen und entsprechende Lösungen für auftretende Probleme zu erarbeiten.

Unter Anleitung von Luca Kolenda gestaltete die erste Gruppe verschiedene Szenarien der Mobilität. Im ersten Schritt sammelten die Teilnehmenden Impressionen vor ihrer eigenen Haustür und dokumentierten diese in einem gemeinsamen Cloud Speicher. Nach dem Austausch bekamen alle Zeit aus den Impressionen eine eigene Vision oder Kreation zu fertigen (Präsentation).

Im zweiten Workshop schlüpften die Teilnehmenden in verschiedene Rollen und stellten spielerisch nach, wie eine Bürger*innenversammlung zur Neugestaltung eines Viertels ablaufen könnte und veranschaulichten die verschiedensten Interessenlagen. Den Fokus legte Eric Treske dabei insbesondere auf die Reduktion von Autos.

Zusammen mit Jennifer Pauli, Elizaveta Petcheniouk und vielen Lego® Steinen wurden Modelle für die Verkehrswende erbaut. Mit der Methode Lego Serious Play haben die Teilnehmenden ihre Visionen zu der Fragestellung „Wie sieht Mobilität in 2050 aus?“ für verschiedene Szenarien dargestellt. Dabei wurden zwei unterschiedliche Herangehensweisen identifiziert: manche Teilnehmenden haben die Bewohner*innen so ausgestattet, dass diese gut in einer unfreundlichen Umwelt klar kommen (Oma in schwebender Kapsel), andere die Umwelt so gestaltet, dass jede*r sich darin zurecht findet (Barrierefreie Gestaltung, Sitzmöglichkeiten, sozialer Austausch).

Darstellung eines Autos
Ergebnis aus dem Myndset Workshop

Welche Business Ideen zur Wende beitragen, erarbeiteten die Teilnehmenden mit Alex Holzreiter und Jasmin Karatas, die das Kartenspiel Myndset entwickelt haben, im vierten Workshop. Es wurden virtuell Karten gezogen und anhand dieser Karten drei verschiedene Ideen entwickelt, wie die Verkehrswende insbesondere bei Älteren auf dem Land lebenden Personen mithilfe von Künstlicher Intelligenz vorangetrieben werden könnte. 

Im anschließenden Plenum wurden einige der erarbeiteten Ideen vorgestellt, welche erneut den bevorstehenden Wandel durch eine Verkehrswende veranschaulichen. Denn zahlreiche kreative Umgestaltungen in relevanten Bereichen, wie Antriebstechnologien, Verkehrsmittelwahl oder Stadtplanung, sind für die zukünftige Mobilität unabdingbar.

Wie können wir den Straßenraum neu verteilen?

Wie dabei eine gerechte Verteilung des öffentlichen Raums aussehen kann, diskutierten anschließend Katja Diehl, Dr. Philine Gaffron, „Autopapst“ Andreas Keßler und Luke Haywood. In mitreißenden 50 Minuten wurde die Frage der Flächengerechtigkeit aufgeworfen und die unterschiedlichen Standpunkte verdeutlicht. Einer Abkehr der autogerechten Stadt, hin zu einer kinderfreundlichen oder weniger platzraubenden Ausgestaltung der Fläche, konnten die Diskutanten zustimmen. Über die genaue Umgestaltung bleibt jedoch Uneinigkeit. Beispiele wie die effizientere Nutzung von Autos (Katja Diehl), die Bevorzugung des Umweltverbundes bei der Flächenumgestaltung (Luke Haywood) und die Forderung nach mehr Grünflächen (Philine Gaffron) stehen dabei unerwünschten Verboten gegenüber (Andres Keßler).

Speaker*innen der Diskussionsrunde (Mit einem Klick zum Video)

Zu guter Letzt nutze Anika Meenken in ihrer Rolle als Projektleitung von „DIY. Dein Mobilitätsprojekt“ die Chance auf die vergangenen Jahre zurückzublicken und Erfolge hervorzuheben. So wurde in nahezu allen Bundesländern ein Projekt oder Aktion durchgeführt. Insgesamt 16 Einzelprojekte haben zur Verkehrswende von unten beigetragen. Auf drei Mobilitätskongressen wurde sich dazu und vielen weiteren Themen intensiv ausgetauscht und die junge Zielgruppe zum Mitmachen motiviert. Insgesamt wurden durch das Projekt 88.000 Tonnen CO2e eingespart und dazu beigetragen, nachhaltige Mobilität in den gesellschaftlichen Fokus zu bewegen.

Mit vielen Impressionen und neue Ideen endet der dritte und auch letzte Mobilitätskongress von „DIY. Dein Mobilitätsprojekt“. Das Thema Verkehrswende bleibt weiterhin aktuell und der gewünschte Wandel immer dringlicher, weshalb der VCD weiterhin für eine sozial- und klimaverträgliche Mobilität arbeitet.

Weitere Impressionen