»Warmgefahren« statt kaltgefroren

Foto: Elias und Frederyck von »Warmgefahren«
Foto: Elias und Frederyck von »Warmgefahren«© © Wibke Reckzeh

In Berlin sind es etwa 10.000 Menschen, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben und die Zahl steigt weiter an. Da die bestehenden Hilfsangebote leider nicht für alle reichen, starteten die beiden Berliner Studenten Elias und Frederyck ihr Projekt »Warmgefahren« im letzten Winter. Sie wollen so unkomplizierte Vor-Ort-Hilfe leisten,  indem sie den Winter über mit ihren Lastenrädern durch Berlin fahren und Schlafsäcke und Kleidung an Obdachlose verteilen. Elias hat uns stellvertretend ein paar Fragen zu ihrem Projekt beantwortet.

Wie genau sieht dein Projekt aus? Beschreibe es mit drei Worten.

Obdachlosenhilfe - mobil - unkompliziert

Wie bist du auf die Idee zu dem Projekt gekommen? Warum braucht es das Projekt?

Die Idee war eine (weitere) sinnvolle Einsatzmöglichkeit von Lastenrädern zu finden. Obdachlosigkeit ist in Berlin ein großes Thema und im Stadtbild sehr präsent. Besonders in den Wintermonaten wird es für obdachlose Menschen auf den Straßen gefährlich und sie sind auf Initiativen angewiesen, die ihnen helfen, die Kälte gut zu überstehen. Letztes Jahr konnte ich beobachten, dass das Kältehilfe-System viel zu tun hat und nicht alle Menschen erreicht. Viele obdachlose Menschen verlassen ungern ihre Standorte – eine mobile Kältehilfe auf Lastenrädern erschien mir demnach sinnvoll und angebracht. Das Projekt „Warmgefahren“ bietet unkomplizierte und effiziente Hilfe für Bedürftige.

Was willst du verbessern?

In Zukunft möchte ich erreichen, dass noch mehr Menschen sich in unserem Projekt engagieren können – nur so können wir noch mehr Menschen erreichen und ihnen helfen.

Was war das Erste, was du gemacht hast?

Das Erste was ich getan habe, war zu recherchieren – mich mit dem Thema vertraut machen. Gleichzeitig habe ich angefangen viele verschiedene Menschen anzurufen, die bereits in dem Hilfesystem aktiv sind. Ich musste viel Zeit investieren, aber es hat sich am Ende gelohnt! Das Projekt ist gut angelaufen und wird sowohl von den Obdachlosen, als auch von Nicht-Obdachlosen gut aufgenommen.


Welche Schritte folgten? Gab es einen Plan?

Nachdem die Idee klar war, brauchten wir noch Lastenräder, da wir keine eigenen hatten. Also recherchierte ich erneut – und siehe da, VeloGut hatte Interesse daran uns zu unterstützen.
Einen richtigen Plan gab es nicht, das Projekt wurde im Prozess des Machens zu dem was es jetzt ist. Natürlich habe ich mir viele Gedanken gemacht, was ich mit meinem Projekt erreichen will, aber es ist auch viel spontan entstanden.


Hattest du Startkapital? Wenn ja, wie hast du das akquiriert? Gab es Förderer neben der Starthilfe von »DIY. Dein Mobilitätsprojekt«?

Gelder hatten wir von Anfang an nicht zur Verfügung. Wir wurden viel mit Material unterstützt, sodass wir wenig eigene Ausgaben hatten. In Zukunft benötigen wir jedoch auch Geld, um unser Projekt zu verbessern und um neue Ideen verwirklichen zu können.

Gab es Kooperationspartner, mit denen du zusammengearbeitet hast? Wie hast du diese akquiriert?

Ja, die Berliner Obdachlosenhilfe e. V. unterstütze uns mit Sachspenden, die sie aus ihrem Netzwerk von Spendern bekamen und VeloGut stellte uns zwei Lastenräder für den Zeitraum zur Verfügung. Am Anfang kommt es darauf an viele Mails zu schreiben und Telefonate zu führen – sich mit Menschen zu treffen und seine Idee vorzustellen. Nicht jeder war von Anfang an begeistert von unserer Idee, vielleicht auch, weil sie nicht daran geglaubt haben, dass wir es so durchziehen wie wir es getan haben. In Zukunft werden wir noch mehr Partner akquirieren, um das Projekt weiter wachsen zu lassen.

Würdest du dein Projekt noch einmal genauso starten? Was würdest du anders machen?

Ich würde es wahrscheinlich genau so nochmal machen. Es hat alles wunderbar funktioniert, darüber bin ich sehr glücklich. Mir wurden wenig Steine in den Weg gelegt, sodass alles fast spielerisch geklappt hat.

Ihr wollt die beiden unterstützen? Dann meldet euch bei ihnen, wenn ihr in Berlin wohnt und warme Kleidung, Schlafsäcke oder Isomatten habt, die ihr nicht mehr braucht.

Zudem könnt ihr die aktuelle Crowdfunding-Kampagne von »Warmgefahren« bei Startnext unterstützen.


Foto: Obdachlosenhilfe durch »Warmgefahren«
Foto: Obdachlosenhilfe durch »Warmgefahren«© Wibke Reckzeh