Projekt »Beet&Bike«

 

Aus Alt mach Neu: Alte Fahrradteile werden zu einem neuen Lastenrad!

Auf den Schwund natürlicher Ressourcen aufmerksam machen und der Allgemeinheit etwas zurückgeben. Dieses Ziel haben sich Studierende der Beuth Hochschule auf die Fahnen geschrieben, weshalb sie Anfang August ein Lastenrad aus alten Fahrradteilen sowie einen Hochbeet-Unterstand für das neue Rad selber bauen werden. Das fertige Rad kann anschließend von allen vor Ort kostenlos genutzt werden und stellt damit ein Sinnbild von Nachhaltigkeit und Gemeinnützigkeit dar. Wie es zu dem Projekt »Beet&Bike« kam und wieso dem Team das Upcycling-Konzept und die soziale Interaktion im eigenen Kiez so wichtig ist, haben sie uns in einem kurzen Interview erzählt.

 

 

Das Team hinter dem Projekt Beet&Bike ©Roman Süsin
Das Team hinter dem Projekt Beet&Bike ©Roman Süsin

1. Wie genau sieht euer Projekt aus? Beschreibt es mit drei Worten.

Simpel:    leihen, fahren, freuen.
Abstrakt: Verkehrswende. Sozialverträglich. Partizipativ.

 

2. Wie seid ihr auf die Idee zu eurem Projekt gekommen? Warum braucht es euer Projekt?

Zum Transport von Einkäufen, Kindern und kleineren Umzügen bieten sich Lastenfahrräder als praktische Hilfe an. Sie tragen zu einer Senkung der Emissionen in Großstädten bei. Wir selbst haben uns schon das ein oder andere Mal ein Lastenfahrrad ausgeliehen und finden den Service klasse. Lastenfahrräder sind - aufgrund ihres hohen Preises und des erhöhten Platzbedarfs zum Abstellen - jedoch nicht für jeden erschwinglich und praktikabel. Seit Anfang 2018 gibt es Abhilfe: den kostenlosen Verleih der fLotte Berlin, initiiert durch den ADFC – unter dem Dach des internationalen Forums Freie Lastenräder.
Ein positiver Nebeneffekt der fLotte ist die Förderung des in der Gesellschaft stark wachsenden Sharing-Gedankens sowie der Idee, mehrere positive Ziele durch eine Funktion anzusprechen. Dieses Projekt würden wir daher gerne unterstützen und so ein Verleihsystem auf dem Campus der Beuth Hochschule in
Berlin, sowie in den Kiez bringen.

 

3. Was wollt ihr verbessern oder ändern?

Wir möchten das Lastenfahrrad den Studierenden der Hochschule, sowie Anwohner*innen zur Verfügung stellen und den Kiez hierdurch mehr mit dem Campus zusammenbringen. Ebenso soll der Aspekt des Sharing und Commoning unterstützt werden. Auf abstrakterer Ebene wollen wir damit unseren Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung urbaner Räume („Transformation der Städte“, WBGU 2016) und der Zukunft der Stadtmobilität leisten.

 

4. Was war das Erste, was ihr gemacht habt?

Als erstes haben wir uns bei einem Fahrradgeschäft, das dieses Verleihsystem unterstützt, informiert. Wir wollten sehen, wie die Nachfrage und die Resonanz der Nutzer*innen ist. Bereits im Vorfeld machten wir uns Gedanken, welche Gruppen und Einzelpersonen an der Umsetzung beteiligt werden müssten.

 

5. Welche Schritte folgten? Gab es einen Plan?

Anschließend informierten wir uns über die möglichen Modelle von Lastenfahrrädern und machten uns Gedanken darüber, welche Ansprüche wir an ein Lastenrad oder Cargobike stellen. Die nächsten Schritte bestanden darin, Preise von Lastenfahrrädern zu ermitteln. Hierbei wurde schnell deutlich, dass wir aufgrund der hohen Preise ein gebrauchtes Lastenfahrrad kaufen und dieses durch den Einbau von Ersatzteilen wieder komplett fahrtauglich machen müssen. Diese Entscheidung wurde durch die Abwägung verschiedener  Nachhaltigkeitskriterien gestützt, da weder „reines“ DIY noch Neukauf ähnlich ressourcenschonend gewesen wären. Zeitgleich waren zwei weitere Entwicklungspfade damit beschäftigt, die administrativen  Rahmenbedingungen auf das Projekt anzupassen.

 

6. Hattet ihr Startkapital? Wenn ja, wie habt ihr das akquiriert? Gab es Förderer neben der Starthilfe von »DIY. Dein Mobilitätsprojekt«?

Ein Startkapital für dieses Projekt stand uns nicht zu Verfügung. Erst durch die Förderung durch das DIY-Mobilitätsprojekt durch den VCD war uns eine Umsetzung möglich. Eine finanzielle und personelle Förderung zur Bewältigung geringerer Restbeträge konnte schließlich durch ein befreundetes Hochschulprojekt übernommen werden.

 

7. Gab es Kooperationspartner, mit denen ihr zusammengearbeitet habt? Wie habt ihr diese akquiriert?

Unser Team zur konzeptionellen und technischen Umsetzung besteht aus Mitgliedern der Studierendeninitiative Rat für Zukunftsweisende Entwicklung (RZE) und dem Projektlabor Zukunft & Nachhaltigkeit, einer studentischen Lehrveranstaltung. Das Rad wird dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Beuth Hochschule für Technik geschenkt und dort durch die jeweiligen Referate bzw. Mitarbeiter*innen (hauptsächlich den Mitarbeiter für Logistik und das Umwelt-Referat) betreut. Dies erfolgt zunächst ein Jahr auf Probe. Bei Bau und Projektanlauf arbeiten wir mit dem hochschulinternen RefugeesWelcome-Projekt zusammen, das nach Deutschland Geflüchteten die Wiederaufnahme eines Studiums erleichtert. Auf regionaler Ebene wird das Rad in das kostenlose fLotte-Programm des ADFC integriert und damit der gesamten Berliner Bevölkerung und allen Interessierten zugänglich gemacht. Eine bundesweite Kooperation findet durch die Förderung des Projektes durch den VCD statt.

 

8. Würdet ihr das Projekt noch einmal genauso starten? Was würdet ihr anders machen?

Das Projekt befindet sich noch in der Umsetzung, somit können wir noch keine abschließende Aussage dazu treffen. Die Hürde der bürokratischen Schritte, die nötig sind, um das Projekt zusammen mit der Hochschule und dem AStA zu realisieren, sind aber nicht zu unterschätzen.