Abgehängter ländlicher Raum?

06.11.2014 in Verkehrswende von Lena Christin

Der öffentliche Verkehr im ländlichen Raum ist eine große Herausforderung für Kommunen und Länder: wenig Nutzer_innen, hohe Kosten und oft weite Strecken durch dünn besiedelte Gegenden. Kann es trotzdem einen guten ÖPNV auf dem Land geben und wenn ja, wie müsste der aussehen und funktionieren? Und vor allem, wie stellen wir uns das 2050 vor, wenn der demographische Wandel die Bevölkerungsstrukturen im ländlichen Raum weiter ausdünnt?

CC BY-NC-ND 2.0 eLKayPics/Flickr

 

Eine wichtige Frage, die vor der Entwicklung von Ideen für Nahverkehrskonzepte geklärt werden sollte, ist eine definitorische: Was ist überhaupt dieser ländliche Raum und wo liegt er eigentlich genau? Ist Land überall gleich Land und sind die Strukturen so vergleichbar, dass ein grundsätzliches Konzept für alle Regionen tragen könnte?

 

Gemeinsam haben die ländlichen Gegenden aber, dass der klassische Linienverkehr  hier an seine Grenzen stößt, denn dafür nutzen ihn zu wenig Menschen und die Strukturen sind oft zu weitläufig.

 

Die Lösung könnte ein bedarfsgesteuerter und -angepasster ÖPNV in Kombination mit nachgelagerten Ergänzungsverkehren sein.

Aber gerade die Rufbusse und -taxen sind vielerorts noch sehr unflexibel und wenig offen für die Verwendung von Kommunikation jenseits des Telefons.

Fahrrad-, Carsharing oder Mitfahrmodelle, zum Beispiel an Bahnhöfen und regionalen Zentren könnten eine gute Ergänzung für die vorhandenen Strukturen sein, jedoch hat Sharing im ländlichen Raum immer ein Problem mit der starken Dezentralität und neben hoher Kosten, ist dies bei Autos zu Beispiel auch nur eine Lösung für Führerscheininhaber_innen.

 

Voraussetzung für eine Einführung dieser Verkehrsformen müsste sein, dass erst einmal eine möglichst genaue Analyse der Bedürfnisse und der Gegebenheiten vor Ort gemacht wird und das Zusammenspiel zwischen allen lokalen Akteuren, von Verwaltung, über Verkehrsverbund bis Verkehrsunternehmen möglichst optimal koordiniert wird.

 

Es steht aber sicher auch fest, dass sich in absehbarer Zeit nie ein kostendeckender Verkehr im ländlichen Raum etablieren lassen wird. Aber da der ÖPNV in jedem Fall als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge Aufgabe des Staates ist, sollte das nicht zentrale Punkt der Debatte werden.

 

Wichtig ist hierbei vor allem die Entwicklung und Förderung alternativer Verkehrssysteme durch Bund und Länder, damit die Kommunen ein attraktives und nachhaltiges Mobilitätskonzept für ihren ländlichen Raum einführen können. Dadurch würde auch das Land als Wohnort für junge Familien an Attraktivität gewinnen und der demographische Wandel seinen Schrecken für Dörfer und Ortschaften verlieren.

 

Lebt Ihr vielleicht auf dem Land und wie ist der ÖPNV bei Euch organisiert, wo sind Schwachstellen und Schwierigkeiten? Habt Ihr vielleicht auch noch Ideen, wie man den Öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum attraktiver und zukunftsfähiger gestalten könnte?