SolaRoad – Radfahren auf Glas

12.04.2015 in Stadtvisionen von Felix

Radfahren auf Solarzellen. Toll. 2014 ging die Nachricht über SolarRoads durch alle großen Leitmedien. Die Idee Fahrradwege zu bauen, die gleichzeitig Strom produzieren, kam gut an. Doch was steckt genau da hinter? Virales PR oder wirklich realistisch?

Das holländische Konsortium SolaRoad, ein Mix aus Staat, Wissenschaft und Industrie, befasst sich seit 2009 mit der Idee. Die Idee: Radler fahren auf Solarzellen anstatt Asphalt. Die Technik ist dabei die selbe wie die auf Dächern Verbauten Anlagen. Ein weiterer Pluspunkt ist die dezentrale Energieproduktion. Der Strom wird da produziert, wo er genutzt werden kann; besonders attraktiv also für unsere Freunde in Bayern.

Im letzten Jahr wurden nach vielen Tests im Labor die ersten 100 m Solar Fahrradweg in der Stadt Kromenie nördlich von Amsterdam gebaut:

© solaroad.nl
Die Teststrecke - links klassischer Beton - rechts Solarpanels © solaroad.nl

Was ist der Vorteil gegenüber Solaranlagen auf Dächern?
Es gibt keinen. Durch die niedrige Lage und Konstruktion haben sie sogar Nachteile. Die Idee ist vielmehr, dass man zusätzlich Strom generiert. Im Gegensatz zu goßen Solarfarmen oder Windkrafträdern findet kein stärker Eingriff in die Natur statt, als es schon bestehende Radwege sowieso tuen. In Holland..äähm den Niederlanden gibt es 500 km² Straßen. Es wird geschätzt, dass etwa 20 % der Radwege in den Niederlanden als Solaroad genutzt werden können. Bei den restlichen 80% ist der Schattenwurf so groß, dass sich die Solarzellen einfach nicht lohnen würden.

Wie teuer sind die SolaRoads?
Genaue Zahlen habe ich leider nicht. Es wird aber angenommen, dass sich die Platten durch Stromgewinnung nach 15 Jahren ökonomisch rentieren werden. Die Lebensdauer soll genau wie bei normalen Radwegen 20-25 Jahre betragen.

Wie viel Strom generieren die Platten?
Gegenüber Solaranlagen auf Dächern ist die Energieausbeute aufgrund der niedrigen Lagen und dickeren Schutzschicht geringer. Als Vorstellung: Die 100m Teststrecke deckt den Strombedarf von ca. 2-3 Familien.

Können Solaroads durch Autos befahren werden oder brechen sie dann?
Nein. Die Nutzung durch Rettungsdienste, Lieferverkehr oder Falschparker ist problemlos möglich.

Wie umweltfreundlich ist die Produktion der Wegeplatten?
Dazu gibt es noch keine Infos. Das Problem ist, dass in der Testphase sehr viele Faktoren in kurzer Zeit verändert werden. Eine Lifecycle Betrachtung soll erst später stattfinden. 

Kann man auf Glas Rad fahren. Sind die Radwege rutschig?
Nein, sie sind mit einer angerauten Oberfläche überzogen. Für die Teststrecke wurde eine Seite klassisch asphaltiert und die andere Seite mit den Solarzellen bestückt. Viele der ersten Nutzer haben erst gar nicht gemerkt, dass sie auf Glas fahren.

© solaroad.nl
Im rechten Bild erkennt man die oberste Schutzschicht der Solapanels © solaroad.nl

Spürt man als Radfahrer die Übergänge der verschiedenen Platten?
Leider ja. Bei normalen Citybikes soll man keinen Unterschied merken. Rennradfahrer mit dünner Bereifung merken die Übergänge aber schon deutlicher und weichen lieber auf die Straße aus. Für längere Überlandradwege sehe ich das schon als problematisch an. Ich hätte keine Lust, 40 km monoton durchgeschüttelt zu werden. Für zukünftige Tests überlegt man daher, die Schutzschicht ähnlich wie Teer durchgängig über alle Platten zu gießen. Momentan wird die Schutzschicht in der Fabrik auf jede Platte einzeln aufgetragen.

Wie beeinflusst Dreck die Solarplatten?
Sehr. Zwar ist die Oberfläche schmutzabweisender als herkömmliche Fahrradwege; umso mehr Schmutz sich aber darauf befindet, umso geringer ist die Energieausbeute. Deshalb geht man davon aus, dass SolaRoads öfter gereinigt werden müssen.

Was passiert bei Schäden?
Trotz Higtech und ausführlichen Tests wird es natürlich auch Beschädigungen durch externe Einflüsse geben. Die Platten können dann einzeln ausgetauscht und beim Hersteller repariert werden.

Warum nicht auch SolarRoad Fußwege oder Autobahnen?
Das System ist auch auf Fußwegen, Straßen oder Autobahnen theoretisch anwendbar. Dass für SolaRoads zunächst Radwege betrachtet werden, hat eher kommunikative und praktische Gründe.

Ab wann werden SolaRoads serienmäßig verbaut?
„We do not have the optical solution yet. We have to test. […] We are not there by far” (Sten de Wit)

 

 

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